Öl gesucht - einen Quell des Lebens gefunden
Heilwasser war jedenfalls das Letzte, das die Regierung brauchen konnte. Das „Reichsbäderkuratorium“ sah sich mit seinen Bädern im Sudetenland ausreichend versorgt, eine niederbayerische Konkurrenz wollte niemand. Das unergiebige Füssinger Bohrloch war zu verfüllen - so wurde es 1939 angeordnet.
Es war Franz Ortner, Bauer auf dem „Lindenhof“, der 1946 den provisorischen Bohrverschluss wieder öffnete. Auf seinem Acker hatte nämlich einst die Nathan-Mannschaft gebuddelt. 30 Meter hoch schoss das Wasser in die Höhe. Und weil es heiß war, konnte man landwirtschaftliche Geräte perfekt damit reinigen. Und zum Baden am Wochenende lud die Quelle auf dem Ortner-Acker zudem ein und bald verlangte der Quellenbesitzer 10 Pfennig Eintritt, weshalb er schnell den Namen Zehnerlbauer weghatte.
Zwischenzeitlich haben dann die Amerikaner die Quelle beschlagnahmt und die einheimische Bevölkerung ausgesperrt. Aber es entstehen die ersten Annehmlichkeiten: Eine Holzbaracke aus dem Lager Waldstatt dient nun als Dusche und Umkleide, alte Kanalisationsrohre lassen sich prima als Sitzwannen nutzen und mit ausrangierten Zementblöcken wurde schließlich das erste Freibecken eingesäumt.
Als die Amerikaner abziehen, kommen erst die Einheimischen, dann die ersten Neugierigen aus der Stadt. Es spricht sich herum, dass das Wasser mehr als warm ist. Schließlich wird wissenschaftlich bestätigt, dass das Füssinger Wasser durch den hohen Gehalt an Sulfid-Schwefel oft besser hilft bei Schmerzen, Rheuma, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Wirbelsäulen- und Frauenleiden, Stoffwechselkrankheiten und altersbedingten Beschwerden wie 1.000 Pillen und viele andere Heilbäder. Schon 1950 erhält die Quelle auf dem Ortner Acker - die heutige Therme I - die staatliche Anerkennung als Heilquelle.
Die neun Betten, die das Dorf mit dem gesunden Wasser 1951 zu bieten hat, reichen bald nicht mehr aus. Es wird gebaut und gebaut. Hotels, Restaurants, ein Kurmittelhaus. Insgesamt werden einmal 14.000 Betten in 450 Hotels und Pensionen zur Verfügung stehen.
Mit dem Wohlstand kommt die Angst, dass die Quelle nicht ewig sprudelt und der Neid, dass einem irgend jemand das Wasser abgräbt. Nachdem 1963 ein zweites Loch gebohrt wird, anfangs nur als Reserve für die „Therme Füssing“, und schließlich 1964 das Mediziner-Ehepaar Angelika und Eduard Zwick nach dem kostbaren Nass auf ihrem Grund suchen lässt, ist es vorbei mit dem Frieden. Der Goldgräberstimmung folgt der Füssinger „Wasserkrieg“. Jeder Thermenbetreiber streitet gegen jeden, erbittert, bis zur letzten Instanz. Als im November 1986 Frieden geschlossen wird, haben Rechtsanwälte und Gerichte Millionen verdient.
Der Vertrag zwischen den drei Thermenbetreibern war „ein historisches Ereignis“, sagt Alt-Bürgermeister Franz Gnan heute noch. Und keiner widerspricht, wie wohl Bad Füssing durch den „Wasserkrieg“ und später durch den Steuer-Prozess gegen Johannes Zwick unbezahlbare Werbung bekommt. Ganz Deutschland ist neugierig auf das Bad geworden. Und so steigt Bad Füssing auf zum größten Heilbad Europas. Hinter Berlin, Frankfurt, München und Hamburg rangiert die 7000-Einwohner-Gemeinde heute auf Platz fünf der deutschen Übernachtungs-Hitliste. 14060 Übernachtungen weist die Statistik 1955 auf - heute sind es mehr als 3 Millionen!